Was Azubis über Finanzen wissen müssen

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“, sagt schon ein altes Sprichwort. Und das gilt auch für das liebe Geld. Denn in vielen Berufen ist die Vergütung für Auszubildende relativ gering. Die Auszubildenden bekommen also nur wenig Geld und müssen umso sorgfältiger damit umgehen. So gelingt der Start in das Berufsleben auch finanziell:

Alljährlich beginnen viele junge Menschen zum 1. September eine Ausbildung. Damit erhalten sie in absehbarer Zeit auch ihr erstes Gehalt und müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Sie sollten sich bereits zu Beginn der Ausbildung wichtige Fragen stellen, beispielsweise, ob sie bereits jetzt für´s Alter vorsorgen sollen, welche Versicherungen sie brauchen und ob sie eventuell Zuschüsse durch den Arbeitgeber oder den Staat in Anspruch nehmen sollen.

Wichtig: Nicht mit Schulden ins Berufsleben starten

Ralf Scherfling, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gibt den Berufsanfängern einen wichtigen grundsätzlichen Tipp für den Start in den Beruf. Denn wegen des geringen Gehaltes müssen Auszubildende früh lernen, damit hauszuhalten. Sie sollten sich deshalb ein klares Schema für ihre Finanzplanung machen. Höchste Priorität sollte dabei die Begleichung eventueller Schulden haben. „Wer schon welche hat, sollte alles daran setzen, sie zu tilgen, bevor er Geld anlegt oder in die Altersvorsorge steckt“, sagt Scherfling dazu. Ferner sollten sich die Auszubildenden einen guten Finanzberater suchen, der ihnen bei allen wichtigen Fragen behilflich ist. Steht vor Ort kein entsprechender Experte zur Verfügung, lässt sich ein guter Finanzberater aber problemlos auch über das Internet finden.

Welche Versicherung ist die richtige?

Ganz oben auf der Prioritätenliste sollte neben den Schulden auch die Frage der richtigen Versicherung stehen. So brauchen Auszubildende, die den entsprechenden Versicherungsschutz nicht über die Eltern haben, in jedem Fall eine private Haftpflichtversicherung. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät ferner zum Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Sobald sie die Kosten dafür wissen, sollten die Auszubildenden außerdem eine finanzielle Reserve für unvorhergesehene Ausgaben einplanen. Beispielsweise kann die Waschmaschine in der WG plötzlich kaputt gehen und eine Reparatur muss durchgeführt oder gleich ein neues Gerät angeschafft werden. „Das Dreifache des Nettogehaltes sollte dafür auf einem Tagesgeldkonto geparkt werden“, rät Scherfling. Auszubildende sollten also eine finanzielle Reserve von 1.500 bis 2.000 Euro haben.

Falls der Chef nicht von sich aus damit auf die Auszubildenden zukommt, sollten sie sich erkundigen, ob die Firma vermögenswirksame Leistungen bezahlt. Falls sie das nicht machen, verschenken sie bares Geld, weil ihnen die vermögenswirksamen Leistungen zustehen. Wer schon am Anfang seiner Ausbildung in die Altersvorsorge investieren möchte, sollte eine arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente oder alternativ einen Riester-Rentenvertrag ins Auge fassen. Erst wenn die Auszubildenden dann noch Geld übrig haben, das sie ansparen möchten, sollten sie über Banksparpläne oder Aktienfonds nachdenken. Letztere lohnen sich allerdings nur mit einem langfristigen Anlagehorizont, weil die Sparer andernfalls mit Verlusten rechnen müssen.

Bei welcher Bank soll das Konto geführt werden?

In der Regel erhalten Auszubildende von den meisten Banken sehr günstige Konditionen, wenn sie ein Girokonto eröffnen. Ein Vergleich der verschiedenen Angebote kann sich allerdings durchaus lohnen. Dazu sagt die Stiftung Warentest: „Die Hausbank der Eltern ist nicht automatisch eine gute Wahl.“ Beispielsweise sollten Auszubildende darauf achten, dass nicht nur die Kontoführung für sie umsonst ist, sondern auch dass sie für die EC-Karte nichts bezahlen müssen. Jedoch gibt es auch Unterschiede bezüglich der Altersgrenze bei den verschiedenen Geldinstituten. Bei der Sparda Bank Berlin etwa liegt die Altersgrenze bei 26 Jahren, während sie bei der Berliner Sparkasse bei 30 Jahren liegt.

Ist bereits klar, dass während der Ausbildung ein Auslandsaufenthalt erfolgen wird, sollten auch die Kosten für die Kreditkarte im Blick haben. Beispielsweise verlangt die Berliner Volksbank dafür bereits von 18jährigen jährliche Gebühren in Höhe von 20 Euro. Bei der Berliner Sparkasse müssen junge Menschen erst ab 22 Jahren Gebühren bezahlen. Diese liegen allerdings dafür auch bei 36 Euro pro Jahr. Günstiger fahren Auszubildende bei Direktbanken wie der Norisbank oder der DKB, die für Kontoführung, EC- und Kreditkarte keine Gebühren von jungen Menschen verlangen. Bei einigen Geschäftsbanken gibt es für Auszubildende sogar noch Zinsen für das Guthaben auf dem Girokonto.

Wichtiges zur Krankenversicherung

Mit dem Beginn der Ausbildung brauchen junge Menschen eine eigene Krankenversicherung. Die Krankenversicherung müssen sie innerhalb von zwei Wochen nach Ausbildungsbeginn auswählen. Weil sie nur ein geringes Gehalt haben, werden sie automatisch gesetzlich versichert, auch wenn sie während der schulischen Ausbildung über die Eltern privat versichert waren. Sie können sich bei den privaten Versicherung durch eine sogenannte Anwartschaft die Rückkehr zu den alten Konditionen sichern.

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